Jahresausstellung 2008

im Hermann-Hesse-Höri-Museum Gaienhofen:

Horst Brandstätter

18. März 2008 – 1. Juni 2008

Vernissage 16. März, 11 Uhr

Die Jahresausstellung 2008 von FORUM ALLMENDE im Hermann-Hesse-Höri-Museum in Gaienhofen gilt dem Schriftsteller, Antiquar, Galeristen und Literaturkenner Horst Brandstätter. Die südwestdeutsche Region verdankt ihm eine Fülle von Anregungen, Wiederentdeckungen und kulturellen Initiativen. Kuratiert wird die Ausstellung von Jochen Greven, der auch die Begleitpublikation dazu herausgibt.

Horst Brandstätter starb im August 2006 in Baden-Baden, erst 56 Jahre alt. Aus Stuttgart stammend, ist er der Höri lange besonders verbunden gewesen: Von 1982 bis 2004 hat er in Öhningen zunächst als freier Autor gelebt, bis er dort 1993 in der ehemaligen Torkel des Klosters eine mit einem Buchantiquariat verbundene Kunstgalerie eröffnete. Sie zog mit regelmäßigen Ausstellungen namhafter zeitgenössischer Maler und Grafiker – darunter Jan Peter Tripp, Johannes Grützke, Arno Waldschmidt und viele andere – , sowie mit Autorenlesungen Besucher von nah und fern an, ehe sie 2004 nach Baden-Baden verlegt wurde. Brandstätter, der ursprünglich Buchhändler war, aber auch als Feuilletonjournalist, Redakteur und Theaterdramaturg gearbeitet hat, ist ein ungewöhnlich engagierter und geistig anregender Mensch gewesen. Ihm sind als Autor oder Herausgeber mehr als ein Dutzend Bücher zu verdanken, die vor allem Themen und Stoffen der baden-württembergischen Kultur- und Literaturgeschichte gelten, besonders auch den historischen Freiheitskämpfern des Landes. Darüber hinaus hat er seine Künstler- und Autorenfreunde, Mäzene und öffentliche Einrichtungen immer wieder zu interessanten Kooperationen animiert, die fruchtbar in die Öffentlichkeit ausstrahlten. Die in Zusammenarbeit mit dem Verein FORUM ALLMENDE realisierte Ausstellung zu seinem Gedenken soll dieses vielseitige Wirken dokumentieren und zugleich das Bild einer außergewöhnlichen Persönlichkeit zeigen. Sie wird am 16. März 2008 eröffnet; FORUM ALLMENDE legt dazu ein Begleitheft mit Würdigungen von Freunden und Weggefährten (darunter Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Otto Jägersberg, Jan Peter Tripp, Johannes Grützke u. v. a.), einer Bibliographie und zahlreichen Abbildungen vor.

Die Reihe „Replik“ wird ab 2008 unter dem Titel „Forum Allmende Porträt“ weitergeführt.

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Begleitheft zur Ausstellung

Forum Allmende Porträt 1
Jochen Greven (Hg.)
Horst Brandstätter.

Autor, Galerist und Antiquar –
Anreger, Kämpfer, Wegbereiter
Wutach (Drey-Verlag) 2008
ISBN 978-3-933765-35-2
40 S. mit Abb., € 5.-.

Die Begleitbroschüre zur Jahresausstellung von Forum Allmende gilt dem vielseitig begabten und tätigen Horst Brandstätter (1950-2006). An ihn erinnern Beiträge von Hans Magnus Enzensberger, Otto Jägersberg, Martin Walser, Peter O. Chotjewitz, Joachim Wagenblast, Anton Hunger, Jan Peter Tripp, Johannes Grützke, Martin Schwab, Arno Waldschmitt, Inge Thöns und Herbert Blank. Ergänzt wird das Heft durch eine Biographie mit ausführlicher Biblio- bzw. Filmographie (samt den von Brandstätter angeregten Büchern und Editionen).



Jochen Greven: Ansprache zur Ausstellungseröffnung
„Horst Brandstätter: Autor, Galerist und Antiquar – Anreger, Kämpfer, Wegbereiter“
(16. März 2008, Hermann-Hesse-Höri-Museum Gaienhofen)
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Liebe Ulrike, liebe Sarah und lieber David Brandstätter,

liebe Freunde von Horst Brandstätter, die Sie eigens aus der näheren und weiteren Umgebung und sogar von ganz fern zu diesem Anlass nach Gaienhofen gekommen sind,

meine Damen und Herren,

erlauben Sie mir, Ihnen drei Anmerkungen vorzutragen zu dem hier im Hermann-Hesse-Höri-Museum unternommenen Versuch, das Leben und Wirken eines Menschen, mit dem mich neben geteilten Interessen und gelegentlichen gemeinsamen Aktivitäten vor allem eine spontane freundschaftliche Achtung und Sympathie verbunden hat, zum Gegenstand einer Ausstellung zu machen.

Zunächst einmal: Ist das überhaupt möglich, eine Persönlichkeit in einer Ausstellung abbilden? Es geht in diesem Fall ja nicht um ein literarisches oder künstlerisches Werk, das sich in einer markanten Abfolge von Büchern oder von Bildern, Plastiken materialisiert hat, oder um ein deutlich abgegrenztes „Thema“, etwa ein Problemfeld mit begrifflich definierten Umrissen. Es geht um einen Menschen mit seinem äußerst vielfältig in die Welt ausgreifenden Tun und Wollen, mit seiner Eigenart, auch seinen inneren Widersprüchen vielleicht. Kann man so eine Biographie, so eine vita activa und das individuelle Wesen, das darin zum Ausdruck kommt, in vierzehn Vitrinen und auf den begrenzten Wandflächen von dreieinhalb kleinen Räumen wiedergeben?

Gewiss höchstens sehr unvollkommen. Man kann Beispiele zeigen, vollbrachte Leistungen dokumentieren, Eckpunkte markieren und typische Zusammenhänge andeuten. Unbelegt und im Schatten bleibt dabei auf alle Fälle, was eigentlich mit dazu gehören würde: die unerfüllt gebliebenen Träume, die Not harter Mühen und des wiederkehrenden Zweifels an manchem, auch erlittene Kränkungen und Fehlschläge. Horst Brandstätter hat gewiss auch solche unerfreulicheren, dunkleren Lebenserfahrungen gemacht, wobei ich jetzt gar nicht an die schwere Leidenszeit zu denken wage, die seinem Tod vorausging.

Klagen gehört hat ihn freilich kaum jemand (ausgenommen die engsten Angehörigen, gelegentlich vielleicht). Er hat sich eben nie nachhaltig enttäuschen lassen, sondern sammelte gleich wieder seine Kräfte und wandte sich anderem zu. Er war einer, dem die Ideen nie ausgingen, der ständig neue Möglichkeiten entdeckte, die den Einsatz lohnten. Ideelle Anliegen waren das wohlgemerkt, die zumeist mit der Lust am Schönen und womöglich zugleich mit Aufklärung, kritischem Witz und sozialer Verantwortung zu tun hatten, nie mit bloß materiellem Erfolg. Der hoffnungsvolle Glaube, dass es möglich sein musste, solche Bestrebungen allen Widrigkeiten zum Trotz in der Öffentlichkeit, auch auf dem Markt der Bücher oder der Kunst durchzusetzen, das heißt andere davon zu überzeugen oder listig zu verführen und am Ende mitzureißen, dieses Urvertrauen in die Mitmenschen wie in die eigenen Fähigkeiten war das, was ich am meisten an ihm bewundert habe.

Dass dazu auch gute Arbeit gehörte, solide fundiert und ebenso einfallsreich wie geduldig ausgeführt, war für Horst Brandstätter selbstverständlich; man kann es von seinen frühen Feuilletonbeiträgen über die Bücher und Essays, über seine Schöpfungen für die Bühne, seine großen Featuresendungen im Radio und Fernsehen bis zu seinen Aktivitäten als Galerist hundertfach belegt finden. Wenn Sie sich die Zeugnisse davon in der Ausstellung ansehen, denken Sie aber bitte daran, dass sich auch ihm, obgleich er einem manchmal wie ein fröhliches Sonntagskind vorkam, all diese Hervorbringungen nicht leichthin geschenkt haben, sondern dass sie erarbeitet, errungen und erkämpft sein wollten.

Damit zu meiner zweiten Betrachtung. Horst Brandstätter war ein ungewöhnlich vielseitiger Mensch und Macher, das weiß, wer ihn kannte, und das erfährt, wer durch unsere kleine Ausstellung geht. Aber was zuletzt einfach nach einem Reichtum der Begabungen und der Kreativität auf ganz verschiedenen Feldern ausschaut, hat sicher auch seine Kehrseite gehabt: eine Not, die richtige Wahl zu treffen, den eigenen Weg zu finden, und ein wiederkehrendes Ungenügen an den jeweils erreichten Stationen und den Möglichkeiten, die sie boten.

Brandstätters Schullaufbahn war bereits nicht ohne Krisen und Konflikte gewesen; wenn Sie in dem Begleitheft zur Ausstellung lesen, was da Johannes Grützke an rückblickenden Andeutungen des Freundes wiedergibt und womit er sich dessen „Widerspenstigkeit“ erklärt, ahnt man etwas von einem Sturm und Drang, der nicht lediglich pubertär war. Mit achtzehn Jahren begann der wenig glücklich gewesene Schüler dann die Ausbildung zum Buchhändler, mit ganzem Herzen und einem imponierenden, kaum ersättlichen Bildungsdrang. Drüben in der Ausstellung liegt das Berichtsheft des Sortimentslehrlings Horst Brandstätter, das für mich ein besonders anrührendes Dokument war. Leider können Sie nicht darin blättern und sich seine supergenauen Tätigkeitsbeschreibungen, die vielen klugen Buchbesprechungen und die langen Listen von am Abend besuchten kulturellen Veranstaltungen ansehen.

Aber kaum dass er fertiger Buchhandelsgehilfe war, wie man das nannte, drängte es den jungen Mann weiter, nun zu einer Ausbildung als Bibliothekar. Und nebenher entwickelte er sich zum ungeheuer fleißigen Feuilletonisten, berichtete in der Ulmer „Südwestpresse“, dann in den „Stuttgarter Nachrichten“ jahrelang in hunderten Beiträgen von Theateraufführungen und Lesungen, Ausstellungen und vielem anderen, ging auf literarische Spurensuche in der Vergangenheit, kommentierte die aktuellen Trends etwa von der Buchmesse.

Nach dem Abschluss als Diplombibliothekar wurde er Redakteur einer Fachzeitschrift für das Büchereiwesen, aber auch dort kam er nicht zur Ruhe. Auf einmal nahm er stattdessen ein Studium an der Pädagogischen Hochschule auf, das er freilich bald wieder abbrach: Für das staatliche Schulsystem und den steinigen Lernweg dort hinein war er bei allem pädagogischen Eros wohl doch nicht der richtige. Stattdessen wurde er nun, man staunt, mit immer noch erst knapp dreißig Jahren plötzlich Dramaturg am Stuttgarter Staatstheater.

Ich breche dieses curriculum vitae ab, Sie können das alles ja nachlesen – den weiteren Weg über die Eröffnung des „marbacher buchladens“, die Jahre als freier Autor und erneute dramaturgische Tätigkeiten bis hin zur Gründung des Buchantiquariats und der Galerie. Es kam mir darauf an, Ihnen das zunächst doch etwas erratisch Wirkende im beruflichen Entwicklungsgang des jungen Horst Brandstätter vor Augen zu führen, diesen kurvenreichen Weg, auf dem er freilich ganz nebenbei jene Bildungsprozesse nachholte, die ihm, dem aufmüpfigen Kleinbürgersohn, keineswegs schon von zu Hause vorgezeichnet gewesen waren. Die Universität hat er bezeichnenderweise erst viel später einmal betreten, dann aber gleich als Dozierender, nämlich mit einem literarhistorischen Lehrauftrag.

Das ist nun wieder das Verblüffende: Kaum etwas von dem, was er da in jungen Jahren versucht und getrieben hat, ist einfach für die Katz gewesen, erwies sich im Nachhinein als bloßer Irrtum und Zeitvergeudung. Irgendwann kam er wieder auf das dabei Gelernte zurück, fügte die Bausteine seiner Erfahrungen irgendwie zusammen und machte, sich zugleich für Neues offen haltend, höchst selbständig etwas Eigenes daraus, das ihm Gemäße – als Antiquar, als Publizist, als Galerist, als vielseitiger Anreger und Vermittler und vor allem als Autor oder Herausgeber, Initiator oder Verleger einer langen Reihe von Büchern.

Diese Vita ist also nicht einfach das gewesen, was man heute so als „Patchwork-Biographie“ bezeichnet, ein vor allem von äußeren Verhältnissen und Zufällen bestimmter Zickzackkurs. Es wird, bei aller Beweglichkeit und wiederkehrenden Veränderungslust, an ihr zuletzt viel eigenständige innere Konsequenz deutlich. Die ist, meine ich, ein Wert an sich, hat geradezu etwas Vorbildliches.

Erlauben Sie mir nun noch eine recht persönliche Anmerkung. Ich war oder bin achtzehn Jahre älter als Horst Brandstätter, gehöre damit beinah schon einer früheren Generation an. Als ich ihm das erstemal begegnete, das muss Ende der 1980er Jahre an einem Abend in der Weinstube Widmer – oder damals wohl richtiger schon Weinstube Fröhlich – in Stuttgart gewesen sein, ist der Altersabstand erst recht deutlich gewesen: Ein fast Sechzigjähriger traf auf einen noch nicht Vierzigjährigen, einen „jungen Mann“ also in seinen Augen. Und der gehörte, das war unverkennbar, auch noch zu den einstigen „Achtundsechzigern“. Nicht dass ich unbedingt etwas gegen die gehabt hätte, aber man war sich doch eigentlich immer schon als etwas reifer vorgekommen, hatte ihren revolutionären Utopismus, ihren die bürgerlichen Konventionen verachtenden Habitus und Umgangston belächelt, und ihren kämpferischen Furor, ihre sture Rechthaberei hatte man manchmal sogar als recht nervend empfunden.

Dieser junge Herr Brandstätter indessen, der gerade mit einem anderen zusammen ein großes literarisches Stuttgart-Panorama herausgegeben hatte, war mir gleich nicht unsympathisch vorgekommen. Er war auch dem Älteren gegenüber nett und höflich, wirkte im Gespräch so beschlagen wie vernünftig und nachdenklich und besaß, nun ja, einfach einnehmenden Charme. Also besuchte ich ihn ein, zwei Jahre später, als ich wieder einmal auf der Höri zu Besuch war, in Öhningen, lernte auch seine Frau kennen und die prächtige mehrgeschossige Wohnung im Klosterbau, in der ich schon in den 1960er Jahren einmal ein Konzert bei der alten Frau Dr. Cordes-Ruch hatte erleben dürfen. Ich sah dort viele Stapel, ja Säulen antiquarischer Bücher herumstehen – und Bilder, Bilder. Aus der vage angesprochenen Zusammenarbeit mit dem Autor Brandstätter wurde allerdings doch nichts, seine Themen und andererseits mein Ressort damals beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt, das war Bildung und Erziehung, passten nicht so recht zusammen.

Und so liefen wir uns dann erst 1993 wieder über den Weg, nämlich auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Radolfzell. Ich wohnte seit einem Jahr wieder auf der Höri, hatte aber zunächst noch viel in Frankfurt zu tun. Er seinerseits erzählte von der bevorstehenden Eröffnung eines Buchantiquariats in Öhningen, das mit einer Galerie zeitgenössischer Kunst verbunden sein würde – oder müsste ich umgekehrt sagen, einer Galerie, die ausgewählten Zeitgenossen galt, mit dem Antiquariat als Ehrfurcht weckendem Hintergrund?

Es kamen Einladungen zu Ausstellungseröffnungen, sie wurden natürlich befolgt. Dabei stellte sich heraus, dass man allerlei gemeinsame Freunde und Bekannte hatte, nicht nur in der Stuttgarter Szene, und auch nah verwandte Interessen. Ich lernte neben einigen dort lesenden Autoren zumal die Künstler der Galerie kennen, und ihr kritisch reflektierender Realismus, andererseits ihre witzige Spielfreude lagen mir sehr. Was Kenntnisse über die südwestdeutsche Kultur- und Literaturgeschichte anbetraf, hatte ich, der Zuwanderer, immer noch einigen Nachholbedarf, Brandstätter war dafür der freigebig Mitteilende. Er zog mich gelegentlich zu irgend etwas bei; zweimal durfte ich zu Ausstellungseröffnungen bei ihm sprechen. Dann brachte er mich dazu, einen Band aus dem Nachlass von Klaus Nonnenmann herauszugeben, den ich in den späteren 1960er Jahren, als Nonnenmann hier in Gaienhofen und ich in Wangen am See wohnte, gut gekannt hatte. Alle zwei Monate pflegten Brandstätter und ich miteinander zu den Treffen der Meersburger Autorenrunde zu fahren. Wir tauschten aus, was von uns irgendwo gedruckt erschien, sprachen miteinander über weitere Projekte, und es gab auch fröhliche private, familiäre Anlässe, bei denen man sich traf. Kurz, unversehens waren wir Freunde geworden, über alle Abstände des Alters, Herkommens und der beruflichen Laufbahn hinweg.

Und dabei habe ich – darauf muss ich noch einmal zurückkommen, nachdem jetzt in allen Medien und auf dem Buchmarkt so viel davon die Rede ging, aus dem dummen Anlass eines runden kalendarischen Jubiläums, – auch in Bezug auf die 1968er-Bewegung einiges nachgeholt und hinzugelernt. Denn hier hatte ich einen Menschen vor mir, dem die radikalen demokratischen Befreiungsimpulse von damals einfach Herzenssache geblieben waren, nicht Konstrukte der Theorie, und der sie mit intensiv nacherlebter und wiederbelebter Geschichte verband. Auch wenn der jugendliche Überschwang sich etwas gelegt hatte: Er war nach wie vor ein Kämpfer gegen verkrustete Verhältnisse, gegen Machtprivilegien und soziale Ungerechtigkeit. Aber er focht dabei mit den Waffen des Geistes, mit Ironie, Witz und Spott, und er baute unerschütterlich auf die Kräfte der Einsicht und der Solidarität – sowie darauf, dass die Freiheit, die er meinte, schlicht mit Lebensfreude verschwistert war oder sein sollte.

Ich schließe, indem ich einen Beitrag zitiere, den ich in einem schon 1988 erschienen Band „Öhningen: Beiträge zur Geschichte von Öhningen, Schienen und Wangen“ gefunden habe. Da heißt es über den Autor Horst Brandstätter: „In einer Art literarischer Archäologie dringt er in die überlieferten Sedimente [...] ein und sondiert mit feinem Sensorium archivalische und literarische Hinterlassenschaften.“ Nachdem der Autor exemplarisch auf Brandstätters historische Hintergrundsstudie zu Schillers „Verbrecher aus verlorener Ehre“ eingegangen ist, auf den Band „Wahls ungeheure Nase“ und vor allem auf das Theaterstück „Mayer. Eine tatsächliche Komödie“, endet er so: „Warum diese Hinneigung zu Einzelgängern und Außenseitern vergangener Epochen? Es ist nicht die gemütliche, episch-historische Art des Rückblicks; bei Brandstätter sind die literarischen Fundstätten punktuell; jedoch spürt man als Leser die immer deutliche Hinwendung zum gequälten, verletzten und mißbrauchten Menschen, erkennt das sorgfältig recherchierte Plädoyer für ihn. Der Autor lichtet vom Indiz her die Motive einer Epoche im kritisch-humanen Sinn auf. Im ‚Mayer‘ heißt es: In der menschlichen Gesellschaft sei ‚alles dazu da, sich zu verbünden und den Einzelnen totzutreten‘. Dagegen anzugehen, wird wohl noch viel am Schreibtisch in der Bibliotheksklause von Horst Brandstätter geschrieben werden.“ So stand es also vor nun bereits 20 Jahren im Beitrag „Dichter und Schriftsteller“ des inzwischen ebenfalls verstorbenen Herbert Schläger, der dem einen oder andern Anwesenden vielleicht noch aus seiner langen Wirkungszeit als Lehrer an der Gaienhofener Internatsschule und zugleich als auf die Region bezogener literaturkritischer und historischer Autor in Erinnerung ist. Dem habe ich heute nur hinzuzufügen, dass es jedem Kunst-, Literatur- und, ja, Menschenfreund unendlich leid tun muss, dass dieser Horst Brandstätter uns vor reichlich anderthalb Jahren viel zu früh verlassen hat.

Es bleibt mir aber nun noch zu danken: Manfred Bosch und dem Verein „Forum Allmende“ sowie Frau Dr. Hübnerm als Leiterin des Museums, für die Chance, meinen Vorschlag einer Gedenkausstellung zu verwirklichen, und für die Hilfe, die sie mir, als einem auf diesem Feld recht Unerfahrenen, dabei geboten haben; Frau Brandstätter und ihren Kindern für die Großzügigkeit, mit der sie alle die Bilder, Bücher und sonstigen Materialien dafür zur Verfügung stellten – viel mehr Dokumente übrigens, als am Ende gezeigt werden konnten – und mit der sie meine vielen lästigen Auskunftswünsche beantworteten; den Künstlern und Autoren aus dem Freundeskreis Brandstätters für ihre Beiträge zum Begleitheft; und Friedrich Pfäfflin für die vorzügliche Zusammenarbeit bei dessen Gestaltung und Drucklegung.

Und schließlich danke ich Ihnen allen für Ihre geduldige Aufmerksamkeit!


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