Schreibwerkstatt regiOnline - Abschlusslesung

Spannende Werkschau mutiger Schreiber

Online-Schreibwerkstatt stellt ihre Texte in Haltingen vor

Badische Zeitung vom Samstag, 15. Juli 2006

Eigene und fremde Texte anschauen, bewerten, kritisieren, und dabei die persönlichen Fertigkeiten verbessern und optimal ausbilden, dieses Lernziel stand im Mittelpunkt der grenzüberschreitenden Online-Schreibwerkstatt, einem trinationalen Gemeinschaftsprojekt von Forum Allmende, Literaturhaus Basel, Regio VHS, René-Schickele-Gesellschaft, dem Kulturamt Weil am Rhein und der Université Populaire du Rhin. Aus den Reihen der rund 30 Teilnehmer von München bis Paris fanden sich zum Abschluss des Projekts nun einige zu einer öffentlichen Lesung ihrer literarischen Texte ein.

Die Lesung, die im Atelier des Fotografen Rolf Frei in Haltingen abgehalten werden sollte, wurde spontan in den Garten verlegt. Umgeben von grüner Natur und sanfter Abendbrise, kamen sehr unterschiedliche Gattungen zu Gehör, und der Abend entwickelte sich zu einer spannenden Werkschau, einer feinen Sammlung kreativer und schöngeistiger Gedanken.

Blandine Lutz zum Beispiel entlarvte in einer Kurzgeschichte den Selbstanspruch der Kunstkritik, Nikolaus Doryszky fesselte mit einem Ausschnitt aus seinem Roman "Constanza", einer fantastischen Geschichte um Zeit und Unendlichkeit in einer Hafenstadt am schwarzen Meer. Mit Science Fiction beschäftigte sich Christine Brinck in ihrer Kurzgeschichte über eine Milchmädchenrechnung. Gedichte über das Leben und die Natur lasen Katharina Mertz und Lisa Trefzer. Epigramme aus Sicht des toten Tieres, umweltpolitische Appelle gegen den Umgang mit der Kreatur, trug Philipp Beyer vor, dazu ein Gedicht über den Rhein, die scheinbar abwartende Natur, die sich irgendwann gegen die vom Menschen geschaffene Umgebung zur Wehr setzt. Persönliche Reiseerinnerungen aus dem Nordwesten Namibias hatte Walburga Seeger vorbereitet. Ute Delatorre beendete den Reigen mit einer in der ich-Form erzählten, heiteren Geschichte über geschiedene Ehen, Männer und Internet-Bekanntschaften.

Bärbel Anders vom Forum Allmende sprach von einem gelungenen Projekt. Die Gruppe habe schnell zueinander Kontakt gefunden. Durch das Internet sei die Kommunikation über ein großes Gebiet hinweg ermöglicht worden. Dazu kamen monatliche Veranstaltungen, bei denen sich die Teilnehmer begegnen konnten, und in Zuge dessen der Wunsch entstand, zusätzliche Treffen zu arrangieren. "Unser Ziel war auch, dass sich die Schreiber irgendwann an die Öffentlichkeit trauen. Dazu gehört Mut" , sagte Bärbel Anders.

"Wenn man etwas schreibt, gibt man es vielleicht Freunden oder der Familie zu lesen. Allein einen Text ins Internet zu stellen, ist eine erste Hürde, die man überwinden muss." Gleichwohl sei das Internet durch die Möglichkeit, anonym zu bleiben, noch keine direkte Konfrontation mit der Öffentlichkeit. Die vom Forum Allmende getragene Internetseite http://schreiben.literaturwelt.de wird bis auf weiteres noch im Netz stehen bleiben, so dass die Gruppe auch nach dem offiziellen Ablauf des Projekt seine Plattform für den Austausch und für Veröffentlichungen hat. Die technische Vorbereitung und das Schreibtraining oblag Oliver Gassner, der sich ebenfalls stolz und erfreut über das Ergebnis zeigten.

Daniela Buch

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